Standard Chartered
DUBAI MARATHON
Marathon, 10 Kilometer, 3 Kilometer
geplant: Freitag, 6. Januar 2006
 

Endlich war der langersehnte Abreisetag da. Die Koffer standen gepackt im Flur, die Reiseunterlagen waren vollständig und die Laufschuhe sicher im Handgepäck verstaut. Für ein gemütliches Frühstück reichte die Zeit noch. Alles verlief planmäßig, bis ein harmloses Telefonklingeln die Ruhe unterbrach. InterAir (der Laufreiseveranstalter) war dran. Sofort machte sich leichtes Unbehagen breit. Die folgenden Worte " ... Scheich Maktoum gestorben ... 40 Tage Staatstrauer ... alle Veranstaltungen fallen aus ..." ließen meine Stimmung auf den Nullpunkt sinken.
Fliegen? - Nicht fliegen? Diese Entscheidung musste nun von einer Minute auf die andere getroffen werden. Neben der Laufveranstaltung war das Kennenlernen von Dubai-City ein Grund für unsere Reise und Trainingsläufe durch Stadt und Wüste waren sicher auch bei Staatstrauer möglich. Die Entscheidung "fliegen" fiel uns dann doch leicht. Meine Enttäuschung hielt sich in Grenzen.

Gelassenheit setzte sich in Hannover, trotz einer viertelstündigen Verspätung des ICE nach Frankfurt, langsam durch. Immerhin lagen wir noch im Limit. Nach einer Stunde Fahrt noch einmal ein Test für die Nerven. Der Zug hielt auf offener Strecke. Der Zugbegleiter informierte die Fahrgäste, dass ein liegengebliebener Güterzug die Strecke blockiere. Die Warterei schien mir endlos. Irgendwann setzte sich der Zug langsam in Bewegung, Zum Glück erreichten wir trotz dieser Bummelei unseren Abfertigungsschalter noch rechtzeitig.
Ohne Turbulenzen jedweder Art ging es dann mit dem Condor-Flieger nonstop nach Dubai.

Sheik Zayed Road Vor dem Frühstück in die Wüste
Den Flughafen der Hauptstadt hatte ich mir größer vorgestellt. Irgendwie wirkte er ein wenig provinziell. Vielleicht lag es auch daran, dass ich unbewusst so etwas wie den Flughafen von Abu Dabi erwartet hatte. Unsere Vorstellungen wurde jedoch übertroffen, als wir vor unserem Hotel, dem Emirates Towers, standen. Zwei Türme standen da vor uns. Der eine 355 Meter, der andere 305 Meter hoch (Telemax in Hannover: 282 Meter). Das dritthöchste Hotel der Welt! Klare Linien, Sachlichkeit und Eleganz dominierten außen und innen. Nach der Anmeldung brachte uns ein gläserner Fahrstuhl in atemberaubender Geschwindigkeit auf unsere Etage in etwa150 Meter Höhe. Viel lieber hätte ich jedoch 300 Meter über der Stadt unser Quartier bezogen. Na ja, vielleicht klappt es beim nächsten Mal.
Die Emirates TowersAuch wenn die Mannschaft von Bayern München am nächsten Tag im Hotel eintraf, ist das Emirates Towers kein Sportlerhotel. Trotzdem stand zur Begrüßung der beiden Hänigser Athleten eine Flasche Mineralwasser mit Schweißband und Umhängekärtchen mit Streckenplan von drei verschiedenen Laufstrecken im Zimmer.

Schon am ersten Tag legten die Laufsportler in Dubai-City viele Kilometer zurück. Allerdings nicht auf Laufwegen, sondern auf bequemen Sitzen im Bus während einer Stadtrundfahrt.
Erst am nächsten Tag war Laufen angesagt. Nach dem Frühstück und bei strahlend blauem Himmel startete die Läufergruppe am Hotelturm zur Erkundung der Laufwege Richtung Binnenland. Nach einer viertel Stunde lag die dichtere Bebauung hinter uns und auf Fußwegen, kleineren Straßen und wüstenähnlichen Abschnitten ließ es sich in der Morgenluft gut laufen. Zu unserer Überraschung entdeckten wir unterwegs eine der Residenzen des Sheiks in einem angepflanzten Wäldchen. Sicher nur ein kleines und unbedeutendes Anwesen, dennoch verband eine kilometerlange und vierspurige Zufahrt die Hauptstraße mit dem Eingangsportal. Unsicher, wie unsere seltsame Betätigung und Neugier aufgenommen wurde, liefen wir Richtung Eingang weiter - die Polizeiabsperrung an der Hauptstraße hatten wir ohne Beanstandung passiert. Den Soldaten am Tor war unser Anrücken aber doch irgendwie suspekt, dass man uns andeutete, die Richtung zu wechseln. Das taten wir dann auch unverzüglich. Schlugen uns später in die Büsche und im Crosslauf suchten wir uns einen Weg zurück.

Für den nächsten Trainingslauf verabredeten wir uns vor dem Frühstück und verließen auf kürzestem Wege die Stadt. Die kühle, klare Wüstenluft war angenehm und hatte die Sinne geschärft. Plötzlich lag Zoogeruch in den Läufernasen. Wir bogen in einen kleinen Weg ab und befanden uns bald in einer Aufzuchtstation für Rennkamele. Eine schöne Überraschung solche exotischen Laufkollegen hier anzutreffen. Auf dem Rückweg kamen wir noch an der Pferderennbahn und den Pferdeställen vorbei (sollen fast einem 4*-Hotel entsprechen, aber vielleicht wird da auch ein wenig übertrieben). Rennsport hat hier eben einen hohen Stellenwert - aber leider nicht für zweibeinige Renner.

Die vierbeinigen Renner ignorieren uns. Fressen ist ihnen wichtiger. Eine der zahlreichen Residenzen

Essen macht Spaß. Besonders in einer schönen Umgebung. Und noch schöner ist es mit einer arabischen Dhau auf dem Dubai Creek bei Nacht vor der Stadtkulisse vorbeizuschippern. Bauchtanz und Musik fielen aus aktuellem Anlass leider aus. Zu später Stunde herrschte noch reges Treiben auf dem Wasser und kleine Boote kreuzen gefährlich nah unseren Kurs. Beinahe-Bootskollisionen gehören wohl zum Alltag, die Schiffsführer lassen sich jedenfalls nicht aus der Ruhe bringen

Erheblichen Nervenkitzel erlebten die Sportler dann auf der Rückfahrt zum Hotel. Der Fahrer muss wohl vorher aktiv an Autorennen teilgenommen haben. In atemberaubender Fahrweise fuhr unser Formel-1-Pilot durch das nächtliche Dubai.

Die VAE bestehen aus sieben EmiratenVerkehrssicherheit ist hier so ein Problem für sich. Die zweithöchste Todesursache sind Verkehrsunfälle. Der Verursacher eines solchen Unfalls muss dann ein Blutgeld in Höhe von umgerechnet 50.000 Euro an die Familie zahlen. Er bleibt dann so lange in Haft, bis das Geld aufgebracht ist. Diese Rechtsprechung ist sicher damit zu erklären, dass die Scharia hier die Gesetzesgrundlage bildet.
Von den sieben Emiraten, die die Vereinigten Arabischen Emirate bilden, ist Dubai dennoch das Fortschrittlichste. Nur hier wird die Strafe der Stockschläge (nur für Moslems) nicht angewendet.

Das wirkt irgendwie mittelalterlich und steht im Gegensatz zu dem äußeren Erscheinungsbild dieser atemberaubenden, glitzernden, modernen und unvorstellbar reichen Metropole. Das Emirat Dubai hat nur etwa 800.000 Einwohner. Phantastisch ist auch das, was noch geplant oder schon im Bau ist. Die zwei "Palm Islands" sind gigantische, aufgeschüttete Inseln in Form einer Palme, "The World" stellt als Inselansammlung die Weltkarte dar. "Hydropolis" ist das erste mehrräumige Unterwasserhotel. Tag und Nacht wird am "Burj Dubai", dem mit 700 bis 800 Metern höchsten Gebäude der Welt, gearbeitet. Der Bau soll 1,8 Milliarden Dollar kosten. Nicht mehr als die Fundamente sind zu sehen, aber der Turm soll schon 2008 fertig sein.

Die Frühstücksläufer treffen sich vor dem Hotel R & R in der Hotelhalle Auf dem Dubai creek Der Berichterstatter   -   Florian hat hier seine Späßchen mit der Bildbearbeitung getrieben.
Dubai und die Emirates Towers waren für mich, Ehefrau Regina und Sohn Florian (zukünftiger 10-Kilometer-Läufer) ein großartiges Erlebnis. Zu meinen Traumurlaubsländern zählt es sicher nicht. Wiederkommen möchten wir aber auf jeden Fall, um zu sehen, was in der Zwischenzeit Großartiges und Atemberaubendes in der Boomtown entstanden ist.
Rainer Lingemann