TUIfly
Marathon
  Hannover
3. Mai 2009
vom Berichterstatter aus Hänigsen, der die Halbmarathondistanz unter die Laufschuhe genommen hat
:
Mehr als zehnmal habe ich an der Hauptlaufveranstaltung in Hannover (bei verschiedenen Veranstaltern) teilgenommen und mit bereits zwei Laufberichten die Läuferwelt auf dem Laufenden gehalten. Die dritte Beschreibung enthält daher nur einige Aspekte des Laufevents in der Landeshauptstadt.

In den Medien wurde am Vortag von einem neuen Melderekord beim Hannover-Lauf berichtet und endlos schien auch das Starterfeld der 21-Kilometer-Läufer zu sein. Auf den ersten zwei Kilometern konnten sich die Teilnehmer durch die zickzackförmige und weit überblickbare Streckenführung ein gutes Bild von der Läufermenge machen.

Von den Sambabands gefielen mir die Streetdrummers, die am Friederikenplatz (also gleich am Anfang) auf ihren Instrumenten hämmerten, am besten. Das ging sofort ins Blut und lockerte Kopf- und Beinmuskeln auf. Noch sechs weitere Sambagruppen hat Frau Eichel unter Vertrag genommen, die an den Strecken den Läufern Beine machen sollten.

Der Hänigser Athlet in der Großstadt Einlaufen. Im Hintergrund die Nord-LB.
Das schöne Wetter trägt natürlich auch dazu bei, dass an einigen Abschnitten am Streckenrand Partystimmung entsteht. Aus Gaststätten schallt laute Musik, Gäste haben ihren Sitzplatz nach draußen geschafft, einige Zuschauer feuern die Sportler vom Sofa am Straßenrand an. Ein wenig entsteht sogar der Eindruck einer Berliner Großlaufveranstaltung.

Auf dem Maschsee herrscht rege Betriebsamkeit. Segel-, Ruder-, Paddel- und Tretbootkapitäne gehen emsig ihrer Profession an diesem Sportsonntag nach. Ein Drachenboot mit viel Man- und Frauenpower nimmt die Herausforderung mit den Straßenathleten auf - und bleibt zurück. Eine Entengruppe auf dem linken Grünstreifen macht einen arg verirrten Eindruck bei soviel Großereignis und Getrappel.

Nach dem attraktiven ersten 5-Kilometer-Teilstück bleibt auf der langen Geraden Hildesheimer Straße Zeit für Reflexionen. Horst Preisler, die Hamburger Marathonlegende, den ich im letzten Herbst auf Kuba kennen gelernt habe, konnte ich im Getümmel um das Rathaus nicht finden. Horst ist mit seinen 74 Jahren noch ein ganz harter Hund und sammelt Marathons rund um die Welt und in Deutschland. Er hat über 1 600 Marathons oder längere Distanzen absolviert und ging bis zu 80-mal jährlich an den Start. Horst hat nie einen Trainingsplan gehabt, trotzdem liegt seine Bestzeit für die 42,195 Kilometer bei 02:45 Stunden. Durch seine Laufleidenschaft ist dieser Ausnahmesportler in 45 Ländern dieser Erde an den Start gegangen und immer noch aktiv.

Läufer mit Tunnelblick Die Athleten haben den ersten Stau hinter sich

Zum Ende der Hildesheimer Straße und auf dem nächsten Kilometer stehen die meisten Zuschauer. Die Stimmung ist prächtig und viele Kinderhände wollen nach dem Durchgang der ambitionierten Athleten abgeklatscht werden. Am nächsten Tag lese ich in der HAZ, dass 120 000 Zuschauer das Ereignis vom Straßenrand aus verfolgt haben. Dabei ist mir rätselhaft, nach welchen Maßstäben jemand bei solch einer Einschätzung zu einem Ergebnis kommt. Wenn ich 120 000 Zuschauer durch 84 390 Meter teile, erhalte ich 1,4 Zuschauer/Meter (pro Straßenseite) und finde die Schätzung ein wenig zu hoch.

Die Veranstaltung TUIfly Marathon Hannover war wieder eine gelungene Veranstaltung mit zunehmendem Interesse von Sportlern aus nah und fern, wenn man vom Bereich nach dem Zieleinlauf absieht. Statt Freude, die Ziellinie überquert zu haben, war für den Finisher erst einmal Ärger angesagt. Im Stau hat es sicher über eine viertel Stunde gedauert, bis ich die Einzäunung des Zielareals seitlich vom Rathaus verlassen konnte. Bei kühlem Wetter und ohne Kleidung zum Wechseln wäre für die völlig durchnässten Sportler eine Erkältung vorprogrammiert. Für die nächste Veranstaltung bin ich mir aber sicher, dass Frau Eichel und ihre Mannschaft das Problem im Zielbereich entschärft haben werden.

Bleibt wohl nur noch ein Problem, das die Eichels Event GmbH (und viele andere Veranstalter) seit einigen Jahren nicht in den Griff bekommen wollen: Verschleiernde Finisherzahlen. Diese Praktik passt so gar nicht zu einer gelungenen, professionellen Großveranstaltung wie der TUIfly-Marathon in Hannover.

Nachwort und Ergänzung
(nur für den statistik-ambitionierten Leser unentbehrlich)

Auf der Marathon-Hannover-Webseite habe ich Anfang April im Forum einen Beitrag zum Thema Teilnehmerzahlen gepostet. Dort habe ich auf die Differenz von 36 Prozent zwischen "Teilnehmern nach eichels" und "Finishern" beim TUI-Marathon 2008 hingewiesen. Die darauf folgende Diskussion hat wohl dazu beigetragen, dass Frau Eichels mittlerweile mit ihren Zahlenangaben vorsichtiger geworden ist. In ihrer Pressemitteilung 2009 spricht sie nur pauschal von 14021 Läufer und Läuferinnen, die ihre Schuhe geschnürt hatten. (Man beachte die Einheit: Läufer und Läuferinnen, Schuhe geschnürt!)
Die HAZ veröffentlicht am Montag, den 4. Mai 2009 ein Gemisch aus Teilnehmerzahlen für die 10-Kilometer- und HM-Strecke und eine Anmeldezahl kleiner 2 000 für den Marathon, die nur aus der Hand vom Veranstalter kommen können.
Aus der Eichels-Teilnehmerzahl und der Finisherliste (21 Kilometer) ergibt sich (5783 - 4932) eine Differenz von 851 Läufern = 17,3 Prozent. Aus der Eichels-Teilnehmerzahl und der Finisherliste (10 Kilometer) ergibt sich (2788 - 2346) eine Differenz von 442 Läufern = 18,8 Prozent.

 
Finisher!   TUIfly Marathon Hannover 2009
42 km
21 km
10 km
Summe
1436
4932
2346
8714
Rainer Lingemann 07.06.09
 
Hintergrundfoto: Gebäude der Nord-LB am Aegidientorplatz in Hannover