30. HARZ-
GEBIRGSLAUF

WERNIGERODE
13. Oktober 2007
Bericht vom 22-Kilometer-Lauf mit vielen Höhen und einer Tiefe im Leben eines Ausdauersportlers, der meint, dass er während des Laufes auch fotografieren kann
 

Berglaufinteressierte, die noch keinen Bericht über den Harzgebirgslauf gelesen haben, sollten sich erst einmal meine allgemeine Beschreibung von der 29. Veranstaltung ansehen. Mein Aufsatz von der 30. Jubiläumsveranstaltung enthält nur Ergänzungen und persönliche Erfahrungen.

Im Großen und Ganzen war es bei der Jubiläumsveranstaltung nicht anders, als wie bei den vorherigen Läufen. Der Veranstalter ist da recht konservativ und bleibt beim Bewährten. Belohnt wurden die vielen fleißigen Helfer vom Harz-Gebirgslauf 1978 e.V. pünktlich zum Lauftag mit schönstem Sonnenschein. Extra angereist war diesmal die sachsen-anhaltische Ministerin für Gesundheit und Soziales, Fr. Dr. Gerlinde Kuppe. Sie sprach nette Worte zu den Anwesenden und schickte die drei Hauptläufe auf die Strecke. Nicht allein, denn da war noch der VorsitzendeNoch hat der Spargelsprinter gut lachen.vom Verein, der wie jedes Jahr die Sekunden runterzählte: "... 4, 3, 2, 1, los!" Das Starterfeld vorn sprintete gegen die Steigung an. War schon etliche Meter gelaufen, als der ministerielle Startschuss das Läufervolk erschreckte. Bei zwei Startern geht das halt manchmal nicht besser. Eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens wertet eine Veranstaltung aber immer ein wenig auf. Vor drei Jahren hat der Fürst zu Stolberg-Wernigerode die Startpistole betätigt. Wie es beim HGL gute Tradition ist, bläst dann ein Forstmann sein Jagdhorn (Jagdsignal: Aufbruch zur Jagd) so lange, bis der letzte Läufer die Startlinie überschritten hat.
<== rollover image
Auf den ersten acht Kilometern bis Ilsenburg geht es nur leicht auf und ab. Ich sehe noch einmal kurz einen Kartoffensprinter aus dem heimatlichen Nachbardorf Otze. Will ihn locker mit meinem Spargelsprinter-Shirt überholen. Geht aber nicht. Zu viele Läufer auf dem schmalen Waldweg. Um ehrlich zu sein, er ist zu schnell. Also trabe ich locker weiter. Kurz bevor ich den Wald bei Ilsenburg verlasse, kommt die prekärste Gefällestrecke. Nicht allzu lang aber sicher mehr als 30% (gefühlt). Durch das lockere Geröll darauf kann es leicht zum Himmelfahrtkommando werden, wenn man die Bremsen loslässt. Hier steht auch immer eine größere Menge von Zuschauern. Geschafft. Sie applaudieren.
Die zweite heikle Gefällestrecke wird erst drei Kilometer vor dem Ziel kommen. Etwas länger als die erste, mit lockeren Steinen aber mit weniger Gefälle.

Startaufstellung und -vorbereitung für den 22-km-Lauf. Normale Wegbreite

Mit der drei Kilometer langen Steigung hinter Ilsenburg kommt nun der landschaftlich schönste Teil der Strecke. Und von meinen geliebten Harzer Bergen will ich natürlich auch digitale Erinnerungen mit nach Hause bringen. Zum Auslösen der Kamera bleibe ich stehen und weiter gehts. Die Strecke wird ebener und 21 Fotos sind schon abgespeichert. Es folgt wieder mal ein Wegabschnitt, auf dem Forstarbeiter in den letzten Wochen Stämme gerückt haben. Ich laufe und schaue (die Landschaft ist wirklich schön) wie gehabt, bis ich plötzlich an einer Pfütze ausrutsche und der Länge nach in der Matsche lande. Hilfreiche Mitläufer helfen mir auf. Reichlich verdattert wische ich mir den Schlamm aus dem Gesicht und von den Händen. Die Sportkleidung von der Hose bis zur Kappe bleibt schlammgrau. Ebenso die Fototasche. Zum Glück sind die Hautabschürfungen an Kinn, Händen und Knie nicht so schlimm. Den Rippenbogen habe ich mir aber arg geprellt. Ohne große Probleme - und ohne Fotostops - bin ich die letzten 10 Kilometer durchgelaufen.

Interessant sind die Äußerungen von Zuschauer zu Zuschauer an der Strecke. Im Kern immer gleich: "Er ist gestürzt." Im Tonfall aber unterschiedlich von sachlich bis mitfühlend. Bei einem schien er mir sogar anerkennend, so wie es einst in einer schlagenden Verbindung über einen neuen Schmiss gewesen sein muss. Ich bin erstaunt, was man bei einer solchen Belastung an Details von Äußerungen mitbekommt. Vielleicht wirkt da das Adrenalin auch auf den Wahrnehmungsapparat.
Der Weg vom Ziel bis zum Duschzelt war dann aber unangenehmer. Verständliche Äußerungen gegenüber einem gehenden Läufer waren dann nicht auszumachen. Die Blicke machten aber den Eindruck, als habe man gerade ein Alien mit Startnummer erblickt. Wer sich ein Bild machen will: einfach mal ein Foto von einem Teilnehmer der Strongman-Veranstaltung nach Passage des Matschloches ansehen.
Vom Duschzelt ging es dann auf dem kürzesten Weg zum Sanitätszelt. Gut versorgt und bepflastert habe ich dann Regina am Treffpunkt überrascht - sie trug´s mit Fassung und reichte mir einenTeller Erbseneintopf.

Trampelpfad-Abschnitt der Strecke
Die Idee von "laufen + fotografieren" lässt sich doch nicht so einfach realisieren. Auslösen allein reicht nicht. Wer sich aber zuviel auf Motive konzentriert, verliert ganz schnell den Boden unter den Füßen. Hätte ich meinen Struwwelpeter mit der Geschichte vom Hans Guck-in-die-Luft richtig gelesen, hätte ich mir dieses Fiasko eigentlich ersparen können. Als Prophylaxe empfehle ich daher, diesen Klassiker in jede Läuferbibliothek aufzunehmen.
Finisherzahlen 30. HGL Wernigerode
42 km
22 km
11 km
Summe
854
984
1098

2936

Rainer Lingemann