Über 14 Brücken musst du geh´n ...
 
... wenn du die Kanalrunde (Tour 22) aus dem Buch "Lauf los!" von Frerk Schenker laufen willst
 
Also genauso genommen sind es ja nur zwei Brücken. Zum Drüberlaufen. Bei den anderen zwölf rennt der Ausdauersportler nur drunterdurch, um ordentlich Kilometer zu machen: Zehn Kilometer auf der einen und zehn Kilometer auf der anderen Seite des Mittellandkanals in der Region Hannover.

Der vorgeschlagene Startpunkt Pasteurallee liegt für mich verkehrstechnisch günstig und verfügt in wenigen Metern Entfernung über einen Parkplatz. Erst einmal geht´s auf der linken Kanalseite drei Kilometer Richtung Osten. Nach dem Richtungswechsel auf der Hannoverschen Straße (Heideviertel) läuft man bis zur Friedenauer Straße (Brink-Hafen), dem westlichen Wendepunkt. Auf der nun erreichten Zielgeraden wird dann in sieben Kilometern die Buchholzer Mühle das Ziel anzeigen.

Schatten, so wie an dieser Stelle, ist die Ausnahme  auf der 20-Kilometer-TourAuf der einen Seite den Kanal runter, auf der anderen Seite wieder hoch. Hört sich eintönig an, ist es aber überhaupt nicht. Der Mittellandkanal ist die meist befahrene Wasserstraße Niedersachsens. Da es für Binnenschiffer kein Sonn- und Feiertags-Fahrverbot gibt, herrscht auch am Wochenende reger Verkehr.

Kaum am Kanalweg angekommen, rauscht uns (Regina mit Rad, der Berichterstatter mit Laufschuhen) ein Schubverband entgegen. Dieses Wasserfahrzeug besteht aus zwei miteinander verbundenen Schiffen: Vorn der Leichter für die Ladung, hinten das Antriebsschiff mir dem Steuermann. Am sonnigen Samstagvormittag haben auch schon die ersten Freizeitskipper die Leinen losgemacht. Am wirkungsvollsten war ein älteres Ehepaar mit einer weißen Yacht. Er: Hinter dem Steuerrad und stolz wie Oskar. Sie: Seitlich davon, huldvoll wie die britische Königin, Blick nach vorn in die Ferne. Einen ähnlichen Blick habe ich auch bei einigen Läuferinnen und Läufern auf dem Uferweg feststellen können: Weit entrückt und ängstlich jeden Blickkontakt vermeidend.

In Höhe des Lister Bads kann ich beobachten, wie sich ein kleineres Schiff einem in voller Fahrt befindlichen Kanalfrachter nähert und an diesem festmachen will. Ich denke sofort an Somalia-Piraten und daran, dass der Stadtteil Vahrenheide noch nie einen besonders guten Ruf hatte. Erst als ich den Schriftzug "Wasserschutzpolizei" lese, wird meine Atmung wieder gleichmäßiger.

Das Lister Bad habe ich in frühster Jugend kennen gelernt. Inzwischen sind einige Jahrzehnte vergangen und ich bin überrascht, wie klein das Schwimmbad nun vor meinen Augen ist. Es war damals eines der größten Freibäder Deutschlands. Auf den Liegewiesen fanden 10.000 (!) Menschen Platz. Die Sportbecken waren 100, das Nichtschwimmerbecken sogar 140 Meter lang. In den 70er Jahren wurde das Bad modernisiert und verkleinert.

Der Badeanstalt schräg gegenüber und zusätzlich durch die Tannenbergallee-Brücke getrennt, lag die alte Arminiuswerft. Davon ist außer dem weiß gestrichenen Drehkran nichts weiter übrig geblieben. Das ehemalige Werftgelände hat seinen maritimen Charakter aber behalten: Nun befindet sich dort ein repräsentativer Yachthafen, der von eleganten, modernen Bürogebäuden eingerahmt wird.

Der Hänigser Spargelsprinter (mitte Brücke) macht sich auf der anderen Kanalseite auf den RückwegNach diesen Erinnerungen an die Jugendzeit halte ich im Laufschritt Ausschau nach der Brücke zum Wenden. Wie man die erkennen kann, ist auf dem Plan für "Tour 22" nicht sofort zu sehen. Hilfreich wären Straßennamen für jede Kanalüberbrückung, mit denen man sich mit Google Luftaufnahmen gezielter vorbereiten kann. Die Lager- und Fabrikationshallen am anderen Ufer zeigen mir, dass ich meine Wendebrücke erreicht habe. Regina bleibt mit ihrem Rad ein wenig zurück, um ein Foto vom Hänigser Athleten auf der Brücke zu machen.

Die alten pummeligen Betonbogenbrücken würden im Zuge der Kanalverbreiterung durch Stahlbrücken ersetzt. Vierzehn Stahlbogenbrücken sind auf der Laufstrecke zu passieren. Keine sieht wie die andere aus und alle sind sie irgendwie attraktiv und grazil (einzige Ausnahme: Messeschnellweg-Brücke).

Der unbefestigte, aber hervorragend ebene Kanalweg ist auf jedem Meter gut zum Laufen/Radfahren geeignet. Reichlich Grün durch Kleingärten, Schilf am Ufer, Grasflächen und kleine Bäume sind vorhanden. Schatten ist Anfang August am späten Vormittag kaum zu erwarten und Bestleistungen sind trotz ehelichem Tempomacher an diesem wolkenlosen Samstag mit 24 °C nicht drin.
Die Runde am Kanal ist eine attraktive Laufstrecke, die ich sicher noch häufiger laufen werde. Verlaufen ist eigentlich unmöglich. Wenn man jedoch ortsfremd ist und nicht an der Pasteurallee (Mühle) startet, sollte man sich die Brücke am Start merken um später im Laufrausch die Ausfahrt nicht zu verpassen. Auf der 20-Kilometer-Strecke wird der Athlet 26-mal Brücken passieren!

Startpunkt Pasteurallee 52.404701, 9.809757
östl. Wendpunkt Hannoversche Str. 52.386905, 9.835101
westl. Wendepunkt Friedenauer Str. 52.415739, 9.716398

Ohne die Anregung aus "Lauf los!" wäre ich die Kanalrunde nicht angegangen, da mir nicht klar war, dass kilometerlange, hindernisfreie und schöne Strecken für Läufer existieren. Im Streckenplan sollten (für eine bessere Orientierung vor dem Lauf) alle Straßen über dem Kanal mit Namen eingetragen sein. Die Krankenhausstandorte sind gut gemeint, markante Punkte im Kanalbereich sind vor Ort sicher von größerem Interesse: Buchholzer Mühle, Seitenwasserflächen des Kanals, Lister Bad und Yachthafen Arminiuswerft.
Ich weiß nicht, in wie weit mein Interesse für Luftaufnahmen repräsentativ ist, aber Koordinaten von den wichtigsten Streckenpunkten wären nicht schlecht. Die braucht man dann nur noch bei Google Maps eingeben, Enter  -  fertig ist die Vogelperspektive.

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asparagus, Freizeitläufer, 29.08.10 12 Fotos von "Tour 22" findet ihr hier
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