29. Harz-Gebirgslauf
Wernigerode
14. Oktober 2007
 

Mehr als zehnmal in Folge habe ich schon am Harzgebirgslauf teilgenommen und noch immer fahre ich im Herbst gern nach Wernigerode. Zum einen bin ich in dieser Stadt (35 000 Einw., vier Laufveranstaltungen) geboren und habe dort die Schule bis zur dritten Klasse besucht, zum anderen findet hier ein schöner Naturlauf statt. Und da bei mir die Freude am Laufen und nicht der Ehrgeiz an Geschwindigkeit an erster Stelle steht, fühle ich mich hier jedes Jahr wieder wohl.

Da es bei der Arbeit in den letzten Wochen etwas hektisch zuging, habe ich mich schon am Vortag auf den Weg Richtung Harz gemacht. Auf den letzten Kilometern bis Wernigerode wurde der Nebel immer dicker. Später kam auch noch Nieselregen dazu. Beides konnte meinen Tatendrang vor Ort nicht bremsen und so machte ich mich auf den Weg, die Anfahrmöglichkeit mit dem fahrplanmäßig verkehrenden Dampfzug (www.hsb-wr.de) nach Hasserode zu testen. In diesem Ortsteil von Wernigerode findet der Start zum Gebirgslauf statt. Die Ansiedlung ist zwar romantisch in einem engen Tal gelegen, bietet aber nur unzureichend Parkraum. Den brauchte man sicher auch nicht, als hier 1898 ein kleiner Bahnhof der Harzer Schmalspurbahn gebaut wurde.

Zimmer mit Blick auf die Klosterkirche im aufziehenden Nebel Die Harzer Schmalspurbahn

Die Fahrt mit dem ruckelnden, schnaufenden Zug ist ein Erlebnis. Ein Euro kostet die Hin- und Rückfahrkarte vom Bahnhof "Westerntor" bis zur Haltestelle "Hochschule Harz". Von hier aus sind es dann nur noch wenige Minuten bis zum Start/Ziel-Bereich. Praktikabel für den Läufer ist das Ganze dann aber leider doch nicht, wenn man auf den Fahrplan schaut. Die Abstände zwischen den Abfahrzeiten der Züge sind einfach zu groß.

Wer Freude an der Startnummernausgabe als Einstimmung für den Lauftag hat, kommt in der "Bunten Stadt am Harz" voll auf seine Kosten. Die wichtigen Unterlagen gibt es am Vortag im historischen Rathaus in stimmungsvoller Atmosphäre. Am Lauftag werden die Startnummern in einem Zelt auf der Startwiese vor dem "Forsthaus Himmelspforte" ausgegeben.

Am Vortag gibt es im Wernigeröder Rathaus die Startunterlagen. Im Rathaus

Übernachtungsmöglichkeiten wurden wie immer vom Veranstalter in Sporthallen angeboten. Im Schlafsack auf dem Hallenboden. Mit huntert oder mehr Läufern, Schnarchern und gut hydrierten Athleten in einem Raum die Nacht zu verbringen ist nicht nach meinem Geschmack. Ich brauche da mehr Ruhe und hatte mich im Kloster Drübeck (www.Kloster-Druebeck.de) im gleichnamigen Dorf (3 000 Einw.) einquartiert. In diesem ehemaligen Benediktinerinnenkloster, das erstmals im Jahre 960 erwähnt wurde, geht es dann trotz Veranstaltungen entschieden ruhiger zu. Aus meinem Zimmer habe ich die Klosterkirche im aufziehenden Nebel fotografiert.

Das Wetter am nächsten Morgen war deprimierend. Bei Nieselregen und immer noch leichtem Nebel habe ich mich dann mit dem Auto auf den Weg nach Hasserode gemacht. Mindestens eine viertel Stunde Fußmarsch sollte man auf jeden Fall von einer Parkmöglichkeit zum Startplatz vor dem Forsthaus einplanen.

In dem bunten Gewimmel auf der Startwiese kam ich mir diesmal ein wenig verlassen vor. Zum ersten Mal war ich allein zu dieser Veranstaltung angereist. Regina - meine Frau - befand sich gerade auf einer Rundreise durch Kanada. Daher gibt es in diesem Laufbericht keine Fotos vom Berichterstatter. Meine Stimmung besserte sich, als ½ Stunde vor dem Start der Nieselregen endlich aufhörte. So konnte ich wie geplant meine Kamera auf die 22-km-Strecke mitnehmen. Der Apparat steckte in der Bereitschaftstasche. Beides war gegen Feuchtigkeit mit einer Frühstückstüte gesichert und durch eine Schlaufe mit dem Handgelenk verbunden. Mit dieser Technik wollte ich nun Fotos direkt aus dem Laufgeschehen heraus machen.

Ab Kilometer 9 ging es bergan. Der HGL Wernigerode ist ein Landschaftslauf!

Meine Strecke führte die ersten acht Kilometer mit leichtem "Auf und Ab" durch den Wald bis Ilsenburg. Nach einem Kilometer auf befestigter Straße kam dann die große Herausforderung für mich: Drei Kilometer Steigung im Stück. Immer mehr Läufer schalteten eine Gangart runter und gingen ganz oder teilweise den Berg hoch. Im letzten Jahr hatte ich hier erhebliche Schwierigkeiten. Aus diesem Grund bin ich an diesem Morgen recht befangen an den Start gegangen. Um so mehr überrascht war ich nun, mit welcher Leichtigkeit ich diesen Abschnitt meisterte. Für diese Leistung gab´s prompt reichlich Endorphine aus der Eigenverpflegung. Dieser Kraftstoff trug mich den nächsten Abschnitt - sechs Kilometer "Auf und Ab" - nur so über die Strecke. Die letzten vier Kilometer bestanden ausschließlich aus Gefälle und ich konnte wieder mal meinen Bergab-Tempolauf realisieren. Insgesamt waren auf dieser Lauf- und Fototour 420 Meter Höhendifferenz zu überwinden.

Meinen Zieleinlauf habe ich natürlich auch fotografiert, allerdings in Bewegung. Leider sind diese Aufnahmen trotz 400 ASA alle verwackelt. Bei den Fotos auf der Strecke bin ich immer stehen geblieben. Das heißt dann: Anhalten, PVC-Tüte abziehen, Bereitschaftstasche öffnen, Apparat anschalten, fotografieren, alles wieder verpacken und wieder durchstarten. Mit ein wenig Übung und Risikobereitschaft lässt sich der Stop auf den Punkt "fotografieren" reduzieren. Ist alles ein wenig aufwendig und den schnellen Fotografenblick fürs Motiv muss ich auch noch schulen. Herausgekommen sind dabei Erinnerungen besonderer Art an ein schönes Lauferlebnis. Neben dem schon vorhandenen Interesse an der "Unterwasser-Fotografie" entwickelt sich hier vielleicht die Freude an der "Lauf-Fotografie". Mal sehen, was draus wird.

Die letzte Verpflegungsstelle vor dem Ziel Wieder auf der Start-/Zielwiese. An der Bude gab´s Erbsensuppe für die Läufer. Ich hatte das Gefühl, dass mindestens 1000  Athleten vor mir in der Schlange standen.
Der Harz-Gebirgslauf ist ein Klassiker unter den Laufveranstaltungen in Sachsen-Anhalt und wird im nächsten Jahr 30 Jahre alt. In diesem Jahr haben sich am Brockenmarathon 713 Finisher beteiligt, am 22-km-Lauf 1031 und am 11-km-Lauf 1074.
Rainer Lingemann
Hintergrundfoto: Startaufstellung zum 11-km-Lauf